Radverkehrsschau in Halberstadt im April 2016 | ADFC Sachsen-Anhalt e.V.
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Radverkehrsschau in Halberstadt im April 2016

Anfang April wurde auf Initiative der Stadt Halberstadt eine Radwegeverkehrsschau im Stadtgebiet durchgeführt. Ziel war es die bestehende Infrastruktur auf Befahrbarkeit und Beschilderung zu prüfen. Auch der ADFC Sachsen-Anhalt war eingeladen um die Verkehrsschau aus Radfahrersicht zu begleiten.

Es müssen dringend Alternativen zur Benutzungspflicht geprüft werden.

Es müssen dringend Alternativen zur Benutzungspflicht geprüft werden.

Halberstadt kann als beispielhaft für die Städte im Land angesehen werden. Es fehlt an einer Radverkehrskonzeption, an flächendeckenden und durchgängigen Lösung, aber vor allem an dem politischen Willen den Radverkehr voran zu bringen.

Wiederkehrende Probleme in Halberstadt sind vor allem der ständige Wechsel zwischen benutzungspflichtigen Radwegen, die meist als gemeinsame Fuß-Radwege ausgeschildert sind und teilweise auch in beide Richtungen benutzt werden müssen und nicht vorhandener Infrastruktur. Aus diesem Grund ist die Anzahl der Radfahrer, die entweder widerrechtlich den Fußweg oder in falscher Richtung unterwegs sind, extrem hoch. Dies sind vor allem selbstgemachte Probleme, da die Führung der Radfahrer an vielen Stellen schlicht unangebracht ist oder von den Halberstädtern selbst nicht als sicher empfunden wird.

Als weiteren kritischen Punkt sieht der ADFC die angeordnete Benutzungspflicht in 30-Zonen, sowohl im Innenstadtbereich, als auch z.B. auf der Wilhelm-Trautwein-Straße. Bereits seit 2001 ist laut StVO §45 Abs. 1c das Anordnen einer Benutzungspflicht innerhalb von 30-Zonen verboten. Den Radfahrenden bei Kopfsteinpflaster und schlechten Straßenverhältnissen ein alternative zur Nutzung der Straße zu bieten ist dennoch wichtig, diese darf aber nicht mit den Zeichen 237, 240 oder 241 ausgewiesen werden.

Benutzungspflichtiger Radweg und 30er-Zone? Eigentlich nicht.

Benutzungspflichtiger Radweg und 30er-Zone? Eigentlich nicht.

Auffällig sind auch die zahlreichen Ausfahrten, und Kreuzungen, die für Radfahrende nur schwer zu queren sind. Nahezu überall wird der eigentlich vorrangige Radweg unterbrochen und Radfahrende müssen auf teilweise grob gepflasterten Abschnitten auch noch Bordsteine überwinden. Hier gibt es z.B. in Holland zahlreiche Lösungen, bei denen der Radweg konsequent als vorrangiger Verkehr weitergeführt wird und Autofahrer durch Aufpflasterungen darauf hingewiesen werden den Vorrang zu beachten.

Beispiel einer Aufpflasterung im Kreuzungsbereich in den Niederlanden (Foto: nuernberg2rad)

Beispiel einer Aufpflasterung im Kreuzungsbereich in den Niederlanden (Foto: nuernberg2rad)

 

Die Empfehlungen des ADFC Sachsen-Anhalt:

  • Konsequente Überprüfung der Benutzungspflicht aller städtischen Radwege
  • Abordnung aller benutzungspflichtiger Radwege in 30-Zonen
  • Vermeidung von straßenbegleitenden Zweirichtungsradwegen (z.B. Braunschweiger Straße), die darüber hinaus noch in beide Richtungen benutzungspflichtig sind
  • Entwicklung eines Radverkehrsplans und eines lückenlosen Radwegenetzes
  • Vorhalten von Projektideen für Förderprogramme und Bundeswettbewerbe
  • Aufklärung und Information für alle Verkehrsteilnehmer zum Thema Radverkehr
    • Wie und wo dürfen Radfahrer fahren?
    • Wie habe ich mich als Autofahrer gegenüber Radfahrern zu verhalten?

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