Bericht zum Fahrradtourismus in Sachsen-Anhalt im Jahr 2016 | ADFC Sachsen-Anhalt e.V.
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Bericht zum Fahrradtourismus in Sachsen-Anhalt im Jahr 2016

In der aktuellen ADFC Travelbikeanalyse wurde der auf 330 km durch Sachsen-Anhalt führende Elberadweg um 13. Mal zum beliebtesten Radweg Deutschlands gewählt. Der Saaleradweg wird zu den TOP 10 gezählt, auf der ITB wurde die Bauhausroute in Dessau als innerstädtische touristische Radroute präsentiert. Der Fahrradtourimus ist insgesamt in Deutschland im Jahr 2016 um 16% gewachsen, 5,2 Mio. Bundesbürger haben einen Radurlaub untrnommen.

Im Bereich des Fahrradtourismus waren 2016 Ausbau- und Sanierungsmaßnahmen an Radwegen im Nachgang der Hoch-wasserhilfe 2013 und von Deichbaumaßnahmen zu verzeichnen. Man kann jetzt z. B. an der Saale zwischen Naumburg und Kleinkorbetha (Grenze Burgenland- und Saalekreis) und zwischen Wettin und Bernburg auf einem lückenlosen Asphaltradweg die Flusslandschaft genießen. In Leißling ist im Dezember zusätzlich eine eindrucksvolle neue Saalebrücke nur für Fußgänger in Betrieb gegangen. Diese muss jetzt nur noch für die Hauptnutzer, d. h. die Radfahrer, geöffnet werden.

Der Bahntrassenradweg zwischen Zeitz und Camberg ist auf der sachen-anhaltischer Seite über mehr als 30 km bis auf ein letztes Teilstück vollendet und perfekt FGSV 245 (bundesweiter Standard) konform ausgeschildert. Auch an der Elbe, der Unstrut, der Elster und an der Goitzsche wurden neugebaute Wegeabschnitte eröffnet. Weitere werden 2017 hinzukommen. Die Stadt Halle will weitere mehr als 10 Mio. Euro in die Verbesserung der Radwege (darunter zwei Brücken) an Saale und Elster investieren. Ein entsprechender Antrag liegt dem Wirtschaftsministerium seit Mitte 2016 vor. Auf dem Saale-, Unstrut und Elsterradweg sind zahlreiche gefährliche und sinnlose Poller abgebaut oder entsprechend der ERA 2010 umgebaut worden.

Bemerkenswert sind auch die Aussagen im Koalitionsvertrag der neuen Landes-regierung zum Radtourismus. „Eine deutliche Qualitätssteigerung wollen wir bei baulastträgerübergreifender Wegweisung, der Vernetzung von Radwegen (Schließung von Systemlücken), dem Radwegemanagement und einem verlässlichen Mängelmeldesystem erreichen. Wir werden die Aufgabenerledigung bei der baulichen Umsetzung des Landesradverkehrsplans mit dem Ziel prüfen, dass für alle Abschnitte der Radrouten Klasse 1 und 2 Bau- und Erhaltungsmaßnahmen zeitnah stattfinden. Die kostenfreie Mitnahme von Fahrrädern in Fahrzeugen des Bahn- und Bus-Landesnetzes soll beibehalten werden. Die Koalitionspartner werden prüfen, inwieweit endgültig stillgelegte Bahntrassen als naturnahe Radwege entsprechend hergerichtet werden können.“

Der ADFC freut sich, dass diese Aussagen in den Koalitionsvertrag aufgenommen wurden. Durch seine langjährige politischen Arbeit, z. B. über die Initiierung von Landtagsanfragen und -debatten, die Formulierung von Wahlprüfsteinen und Pressemitteilungen, den öffentlichkeitswirksamen Besuchen des ADFC Fachausschusses Tourismus in Dessau im Jahre 2008 und Naumburg im Jahre 2014, der Arbeit vor Ort und der Zuarbeit zu den Koalitionsverhandlungen im März vergangenen Jahres hat der ADFC auf dieses Ergebnis hingearbeitet.

Neue Saalebrücke bei Leißling

Neue Saalebrücke bei Leißling

Der Kritik an der Beschilderung wurde insoweit entsprochen, dass jetzt erstmals Zielketten für Fernziele definiert wurden. Bisher kann es einem passieren, dass das nächste Fernziel (oben auf dem Entfernungswegweiser) das nächste Dorf in vier km ist und nicht ein bekannterer und größerer Ort, wie man es auch aus der Kfz Wegweisung kennt.

Die kostenlose Fahrradmitnahme, in den zum Teil seit 2016 neuen und barrierefreien Regionalzügen etwas zwischen Sangerhausen und Halle oder zwischen Halle und Eisenach, wissen wir zu schätzen und nutzen sie zahlreich. Hier ist Sachsen-Anhalt vorbildlich.

So weit so gut. Dringend erforderlich ist es jetzt, für uns und alle Radtouristen (das wissen wir aus allen Befragungen zum Radtourismus), dass wir eine genau so lückenlose und konsistente Beschilderung unserer Radwege vorfinden, wie sie unsere Nachbarbundesländer Brandenburg und Thüringen längst installiert haben. Wir wollen auch nicht länger auf Schotterpisten, wie etwa auf dem Saale-Harz Radweg zwischen Langenbogen und dem Süßen See oder auf schnell befahrenen Landesstraßen, wie zwischen Sollnitz und Jeßnitz auf dem Mulderadweg, oder zwischen Kleinherigen und Bad Kösen auf dem Saaleradweg, geführt werden.

Nach fast einem Jahr neuer Landesregierung ist noch keine fahrradtouristische Ankündigung, nimmt man eine erneuerte Wegweisung am Unstrutradweg aus, in greifbare Nähe gerückt. Es gibt z. B. noch immer Gemeinden, die selbst zu 100% aus Fluthilfemitteln geförderte, dringend erforderliche Ausbaumaßnahmen überhaupt erst gar nicht beantragen (Stadt Bad Dürrenberg; Saaleradweg, Gemeinde Salzatal; Saaleradweg bei Neuragozy) oder selbst bewilligte Maßnahmen (z. B. Gemeinde Schkopau; Saaleradweg zwischen Planena und Rathmansdorf) nicht umsetzen. Selbst die Stadt Magdeburg nutzt nicht konsequent die Möglichkeiten der Fluthilfe um die radtouristische Infrastruktur an der Elbe zu verbessern. Hier bedarf einer stärkeren zentralen Steuerung, wie es der Nationale Radverkehrsplan seitens der Landkreise und des Landes, vorsieht.

Das wird der Wirtschaft des Landes nutzen, allein 149 Hotelbetriebe in Sachsen-Anhalt setzen unter dem Bett&Bike Label für fahrradfreundliche Unterkünfte auf Radtouristen als ihre Gäste, weitere sind, orientiert an den Kriterien des ADFC unter dem Elberadweglabel zertifiziert. Noch viel mehr könnten es werden, wenn Landesradfernwege wie der Altmarkrundkurs, der R1 und der Himmelscheibenradweg echte Optionen und nicht häufig geschotterte Feld- und Waldwege wären.

Deshalb wird der ADFC Sachsen-Anhalt in diesem Jahr in Gesprächen mit Landtags-abgeordneten und Ministerien, unter Umständen auch mit einem neuen Radverkehrs-koordinator, auf die Umsetzung und Konkretisierung der im Koalitionsvertrag vereinbarten Maßnahmen drängen.

Für die in 2016 neu erschiene BVA Regionalkarte Elbe/ Havel hat der ADFC Magdeburg zugearbeitet.

2016 fand eine Schulung von 8 Radtourenleitern in Magdeburg statt. Insgesamt wurden von den ADFC Gliederungen in Sachsen-Anhalt im Jahr 2016 76 Radtouren mit insgesamt 2.344 Teilnehmer/innen (darunter waren 1.000 Teilnehmer am Fahrradaktionstag in Magdeburg) veranstaltet. Bei diesen Touren wurden insgesamt 172.523 km mit den Fahrrad zurückgelegt.

Mit freundlichen Grüßen
Volker Preibisch
Stellvertretender Landesvorsitzender und tourismuspolitischer Sprecher

 

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