Fahrradklimatest – Keine Trendwende erkennbar – Radfahrende in Sachsen-Anhalt vergeben erneut schlechte Noten | ADFC Sachsen-Anhalt e.V.
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Fahrradklimatest – Keine Trendwende erkennbar – Radfahrende in Sachsen-Anhalt vergeben erneut schlechte Noten

120.000 Menschen haben im Herbst 2016 am bundesweiten ADFC-Fahrradklima-Test teilgenommen und die Fahrradfreundlichkeit ihrer Wohnorte benotet. Das ist eine Steigerung von 15% gegenüber der letzten Befragung aus dem Jahr 2014. Die bundesweiten Ergebnisse wurden am heutigen Freitag in Berlin präsentiert.

„Immer mehr Menschen nutzen das Fahrrad in der Freizeit und auf den täglichen Wegen. Radverkehr boomt in den Städten und trägt entscheidend zur Lebensqualität der Bevölkerung bei. Dies ist in der Diskussion um Standortvorteile für die Städte in Sachsen-Anhalt nicht zu unterschätzen.“ sagt Martin Hoffmann, Landesvorsitzender des ADFC Sachsen-Anhalt.
Bei den Städten über 200.000 Einwohnern sind Magdeburg und Halle vertreten. In Magdeburg hat sich das Fahrradklima-Klima leicht negativ entwickelt (Note 4,25) wohingegen in Halle mit derselben Note (4,27) alles beim Alten blieb. In Dessau-Roßlau reicht es mit einer leichten Verschlechterung wie in 2014 für eine Note 3,66. Erfreulich ist, dass es mit Wittenberg, Stendal, Bitterfeld-Wolfen, Zerbst, Köthen und Bernburg Städte mit weniger als 50.000 Einwohnern in die Wertung geschafft haben. Von diesen Städten weist Wittenberg mit Note 3,58 die „beste“ Note in Sachsen-Anhalt auf. Stendal ist neu in der Wertung und konnte mit einer sehr guten Teilnehmerzahl überzeugen. Bemerkenswert ist, dass sich in keiner Stadt das Fahrradklima verbessert hat! Bei den einzelnen Bewertungskategorien tauchen wie in den zurückliegenden Jahren dieselben Sorgenkinder auf: schlechter Zustand vieler Radverkehrsanlagen, besonders bei Breite und Oberfläche, die Zahl der Fahrraddiebstähle, die Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Radverkehr sowie die Wegweisung. Genervt sind die Radfahrenden vor allem durch unbeschilderte Baustellen oder Falschparker auf Radwegen und ungeeigneten Ampelschaltungen. Und: Die Mehrzahl der Radfahrenden fühlt sich beim Radfahren nicht sicher. Genau dies verhindert aber, dass noch mehr Menschen das Fahrrad nutzen!
Einige positive Bewertungen lassen sich dennoch finden: Die gute Erreichbarkeit von Zielen und die kostenlose Fahrradmitnahme in Nahverkehrszügen werden honoriert und heben sich erfreulich vom bundesdeutschen Durchschnitt ab. Hoffmann sieht viel Potential für den Radverkehr in Sachsen-Anhalt. Sowohl auf den täglichen Wegen als auch in Freizeit und Tourismus ist sehr viel Luft nach Oben. Um das zu erreichen müssen die Kommunen mit Unterstützung der Landesregierung einiges an Hausaufgaben erledigen. „Dabei“, so Hoffmann, „bietet die im Koalitionsvertrag beschlossene Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen beste Möglichkeiten voranzukommen.“

Thomas Böhmer vom ADFC Bundesverband wird die Ergebnisse für Sachsen-Anhalt am 2. Juni um 10:30 Uhr im Umweltbundesamt in Dessau-Roßlau vorstellen. Zu dieser Veranstaltung lädt der ADFC Sachsen-Anhalt alle interessierten Vertreter von Kommunen, aus der Politik und der Wirtschaft sowie Presse und Öffentlichkeit ein. Im Anschluss an die Vorstellung wird Zeit für die Diskussion sein: Wie sich die Kommunen im Land stärker bei der Radverkehrsförderung und der Vernetzung untereinander engagieren können.

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