Verkehrssicherheit für Radfahrer in Halle (Saale) – Priorität und Mitteleinsatz erhöhen! Ein zusätzliches Gleis unter der Bahnhofsbrücke bringt Nachteile für Fußgänger und Radfahrer! | ADFC Sachsen-Anhalt e.V.
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Verkehrssicherheit für Radfahrer in Halle (Saale) – Priorität und Mitteleinsatz erhöhen! Ein zusätzliches Gleis unter der Bahnhofsbrücke bringt Nachteile für Fußgänger und Radfahrer!

Im Verlauf der 47. Sitzung des Runder Tisch Radverkehr (RTR) am 24.08.2017 wurde auch der tödliche Unfall einer Radfahrerin am 30. Juni 2017 auf der Nordstraße besprochen. Demnach ist die Radfahrerin aus dem Radweg Richtung Brandbergweg kommend, ab der Kreuzung Brandbergweg – Nordstraße/Dölauer Straße auf der Fahrbahn gefahren, dort in Kollision mit einem LKW gekommen und in der Folge tödlich verletzt worden.

Nordstraße/Dölauer Str.: Markierungen nach Unfall; A=kleine Farbmarkierung (?? Kontaktpunkt ??) B=Rasteranfang C=„UU“-Stelle

C=„UU“-Stelle B=Rasteranfang

Jenseits der endgültigen Klärung der Schuldfrage – es ist kaum vorstellbar, dass der LKW angesichts der Platzverhältnisse, beim Überholen den nötigen Mindestabstand von 1,50 m eingehalten hat – muss man davon ausgehen, dass dieser Unfall nicht geschehen wäre, wenn entlang der Nordstraße ein rechter Radweg existieren würde. So hatte die Radfahrerin die Wahl zwischen Pest und Cholera. Sie konnte vor der Querung der Dölauer Straße auf die Fahrbahn wechseln oder hätte einen Stummelradweg, der einige Meter weiter abrupt, unvermittelt und gefährlich ebenfalls auf der Fahrbahn endet, nutzen können. Der linke Radweg am Ostrand der Heide ist für den Zweirichtungsradverkehr zu schmal und führt im weiteren Verlauf Richtung zu einer ungeregelten, gefährlichen Querungssituation vor der Waldstraße.

Aus Verkehrssicherheitsgründen ist es deshalb dringend erforderlich Richtung Dölau, Heide Nord und Lettin und bei Querung der Waldstraße regelkonforme Radwege auszubauen. Dies beabsichtigt die Stadt gegenwärtig erfreulicherweise, mittels eines Förderprogrammes des Landes.

Die Querung der Waldstraße an der Nordstraße.

Aber schon der Zweirichtungsradweg entlang des Brandbergweges weist Sicherheitsmängel auf. Er ist zu schmal, insbesondere für eine Hauptroute über die drei Stadtteile, d. h. mehr als 13 Tsd. Einwohner an die Innenstadt angebunden werden. An Aus- und Einfahrten bestehen keine hinreichenden Sichtbeziehungen, es gibt Wurzelaufbrüche und weitere Unebenheiten. Deshalb ist es neben Sanierungsarbeiten, auch erforderlich auf der gegenüberliegenden Seite entlang der der S-Bahntrasse den Schotterweg zu einem regelgerechten Radweg auszubauen.

Brandbergweg: Gemeinsamer Fuß – und Zweirichtungsradweg!

Brandbergweg: Zweirichtungsradweg!

Derartige Gefahrenstellen finden sich aber auch anderorts in Halle. Z. B. wird eine neue und komfortable Radverkehrsanlage im Böllberger Weg stadteinwärts, auf Höhe des denkmalgeschützten Künstlerhauses Böllberger Weg 88 enden. Auf dem anschließenden Teil des Böllberger Weges, einer starkbefahrenen, schmalen Straße existiert keinerlei Radverkehrsanlage. Auch hier ist es aus Sicherheitsgründen zwingend erforderlich einen Radweg auszubauen. Hierfür und für weitere wichtige Radwege muss endlich im Haushalt der Stadt eine Position geschaffen werden. Nicht nur für Radwege, sondern für das System Radverkehr insgesamt, bedarf es der Bereitstellung von Haushaltsmitteln. So wurde von der Verwaltung am RTR ausgeführt, das keine Möglichkeit bestände für das Millionenprojekt Steintor eine Fahrradwegweisung zu finanzieren.

Die Stadt Halle würde sich mit der Entwicklung eines Systems Radverkehr im Sinne der Bundeskanzlerin und CDU Vorsitzenden Angela Merkel verhalten, die im TAZ Interview vom 29.08.2017, im Zusammenhang mit den auch in Halle drohenden Dieselfahrverboten, erklärt hat: „Ich will, dass wir gerade aus diesen Städten die fortschrittlichsten machen, was Mobilität anbelangt, Städte mit intelligenten Lösungen für die neuen Mobilitätsbedürfnisse“.

Der ADFC Halle begrüßt die Pläne zum Bau weiterer Fahrradabstellanlagen/Fahrradparkhaus am Hauptbahnhof. Er erinnert daran, dass diese Pläne schon zehn Jahre alt sind und eine weitere Verzögerung nicht akzeptabel ist. Der ADFC lehnt aber die Pläne zum Zubau eines Brückenschiffes mit einem Gleis vor den westlichen Bahnsteigen ab. Bei dieser Fläche handelt es sich um eine der am meisten frequentierten Fußgänger- und Radfahrerzonen in Halle, von den westlichen Bahnsteigen zu der Straßenbahnhaltestelle und von der Innenstadt zum Hauptbahnhof und zurück. Es handelt sich damit um eine der Lebensadern des Radverkehrs in Halle. Dort soll jetzt ein Bypass gelegt werden, Radfahrer werden zukünftig absteigen müssen oder mit Fußgängern in Konflikt geraten. Dies stärkt nicht den Umweltverbund in Halle, sondern schwächt ihn und ist deshalb keine der erforderlichen intelligenten Lösungen für die Mobilität in Halle.

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